• Diadochenkämpfe

    Einst zerfiel das Reich Alexanders des Großen, weil seine Nachfolger sich nicht darüber einigen konnten, wer das Zepter des illustren Herrschers übernehmen sollte. Stattdessen bekriegte man sich, bis vom mühsam eroberten Mazedonischen Reich nur noch ein Scherbenhaufen übrig blieb.

    Die Tischtennisabteilung von Blau-Gelb sieht sich vor einer vergleichbaren Ausgangslage: Hartmut, unser aller Generalissimus, will verhindern, dass seine Abteilung zu einer Gerontokratie mutiert. Er beabsichtigt, im zarten Alter von 75 Jahren seinen Stuhl freizumachen für einen Repräsentanten der Enkelgeneration. Da dies nahezu die gesamte Abteilung umfasst, darf man mit Fug und Recht gespannt sein auf die bevorstehenden Erbfolgeauseinandersetzungen.

    Vorbei sind zum Glück die Zeiten, da man sich gegenseitig niedermetzelte, nur um Abteilungsleiter zu werden. In der Tat wäre ein durch solche Unzuträglichkeiten verursachter Mitgliederschwund bedauerlich. Doch ist das Pendel in den vergangenen 2200 Jahren allzu weit in die entgegengesetzte Richtung ausgeschlagen. Zwar will noch immer fast jeder den vakanten Thron besteigen, aber keiner traut sich mehr, dies auch bekannt zu geben. Es herrscht Schüchternheit bis zur Selbstverleugnung. Die auf das Abteilungsleiteramt gerichteten Begehrlichkeiten erschöpfen sich in dumpfem Raunen. Es geht die Furcht um, für seine Kandidatur könne ein jeder Kandidat gebrandmarkt werden.

    Sie alle mögen sich ein Beispiel an Alexander dem Großen nehmen, welcher in einem frühen Stadium seiner Kariere vor einem ähnlich gearteten Problem stand: Dem Gordischen Knoten. Aufgefordert, ihn zu lösen, durchschlug er ihn unverdrossen und wurde so zu einer Art Abteilungsleiter in seiner Branche.

    Die Diadochen unserer Abteilung mögen also ihrem Ehrgeiz getrost freien Lauf lassen und sich zu erkennen geben, damit die übrigen eine Wahl haben.
    Den Mutigen gehört die Welt!

    PS
    Die rein zufällige Namensgleichheit des Autors mit der historischen Figur werden übelmeinende Zeitgenossen zweifelsohne dazu missbrauchen, dem Chronisten plumpe Propaganda in eigener Sache zu unterstellen. Zu Unrecht, denn man kann nur Chronist oder Akteur sein, nicht aber beides. Der Verfasser dieser Zeilen scheidet mithin aus.